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Titelbild projekt REGION BRAUNSCHWEIG GMBH
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Bioenergiedorf Jhnde beeindruckt Vertreter aus der Region Braunschweig

Informationen ber Alternativen in der Energieversorgung sind angesichts steigender Energiepreise hei begehrt. Daher hat die Projekt Region Braunschweig GmbH im Rahmen des Projekts Nawaro, Energie & Markt jetzt zusammen mit dem Landvolk Bezirksverband Braunschweig e.V. eine Besich­tigungsfahrt in das Bioenergiedorf Jhnde (Landkreis Gttingen) veranstaltet. 50 Landwirte, Vertreter der Handwerkskammer, Wissenschaftler aus Hochschulen und Forschungsinstituten, Unternehmens­vertreter und Mitglieder von Energieinitiativen und Parteien wollten erkunden, ob ein hnliches Projekt auch in der Region Braunschweig umsetzbar ist.


Wir hatten von vorneherein mit groem Interesse gerechnet so Thilo Jahn, Projektleiter bei der Projekt Region Braunschweig GmbH. Energie ist ein brennendes Thema zu dem es in der Region bei Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Landwirtschaft vielfltige Kompetenzen gibt, die wir zusammenfhren wollen. Das Bioenergiedorf Jhnde knnte dafr Anregungen liefern. Initiiert von einer Forschungsgruppe der Universitten Gttingen und Kassel hatte sich die Dorfbevlkerung vor fnf Jahren entschieden, die Wrme- und Stromversorgung auf Energie aus Biomasse umzustellen. Am morgigen Samstag findet nun die offizielle Einweihung der Anlagen statt. Strom liefert eine Bio­gasanlage, in der Glle und Pflanzenmaterial in Biogas umgewandelt wird, welches mit Hilfe eines Blockheizkraftwerkes in Strom und Wrme verwandelt wird. Der Strom wird ins Netz eingespeist und die Wrme ber ein neu verlegtes Nahwrmenetz an die Haushalte verteilt. Im Winter wird mit einem Holzhackschnitzelheizwerk die zustzlich bentigte Wrme produziert. Projektkoordinator Volker Ru­wisch von der Uni Gttingen weist jedoch darauf hin, dass das Besondere des Projekts nicht in der verwendete Technik liege, sondern in der Bereitschaft der Dorfbevlkerung sich an der Umsetzung des Projekts mit viel Arbeit und auch Geld zu beteiligen. Heute sind ber 70 Prozent der Huser an das Nahwrmenetz angeschlossen. Alle Wrmekunden und auch die acht Landwirte des Dorfes, welche die bentigte Glle und Energiepflanzen liefern, sind Mitglieder der Betreibergenossenschaft. Ruwisch sieht eine Win-Win-Situation fr alle Seiten. Die Kunden bekommen preisgnstig und zu­verlssig Wrme, die Landwirte erschlieen neue und sichere Einnahmen und alle zusammen sorgen fr massive Einsparung von klimaschdlichem Kohlendioxid.

 

Die Finanzierung des Projekts war ohne Zuschsse nicht zu realisieren. Wrde man jedoch den in der Zwischenzeit auf den heutigen Stand gestiegenen Heizlpreis zugrunde legen, rechne sich das Konzept auch ohne Zuschsse. Offenbar scheint sich das auch bei den Huslebauern herum gesprochen zu haben. Baugrundstcke im Dorf, in die ein Anschluss verlegt wurde, sind verkauft, whrend solche ohne frei bleiben. ber­haupt ist das Interesse an dem Projekt riesig, mindestens eine, oft bis zu drei Besuchergruppe kmen tglich ins Dorf, um sich ber das Konzept zu informieren.

Weitere Informationen:
Projektleitung Nachwachsende Rohstoffe, Energie & Markt
Thilo Jahn, Tel. 0531-1218 149
Christian Sprute, Tel. 0531-1218 136

Eindrcke zur Fahrt: Interviews mit Volker Meier, Eckhard Sudmeyer und Prof. Reinhard Leithner

Zu den Erkenntnissen der Fahrt haben wir Volker Meier, Geschftsfhrer Landvolk Bezirksver­band Braunschweig e.V. befragt.

Frage: Kann das Projekt in Jhnde auch ein Vorbild sein fr Drfer in unserer Region?
Volker Meier: Es gibt in der Region schn lnger Bestrebungen, die Bioenergie strker zu nutzen. Bereits jetzt betreiben ja einige Landwirte Biogasanlagen, ich manchen Fllen wie in Grasleben oder in Neuerker­ode wird auch die anfallende Wrme genutzt. Das Beeindruckende an Jhnde ist, dass Landwirt­schaft und Bevlkerung an einem Strang gezogen haben, um das Nahwrmenetz zu realisieren. Auf der Basis solcher Dorfstrukturen lieen sich auch in unserer Region Bioenergiedrfer schaffen, das kann ich nach der Besichtigung heute sagen.

Frage: Muss denn immer das ganze Dorf mitmachen?
Volker Meier:
Bei der Verstromung von Biogas fllt Wrme an. Diese zum Heizen und zur Warmwasserbereitung zu nutzen, ist energetisch immer sinnvoll. Ob sich das auch rechnet, muss im Einzelnen durch Ingeni­eure geprft werden.

Frage: Ist die Energieversorgung eine Perspektive fr landwirtschaftliche Betriebe?
Volker Meier: Der Energiepflanzenbau wird in der Zukunft eine hohe Bedeutung bekommen. Nicht nur wegen der neuen Zuckermarktverordnung, die uns in der Region trifft, sondern generell als eine stabile und si­chere Einnahmequelle fr die Landwirte. Wir sollten solche Chancen, Arbeit und Wertschpfung im lndlichen Raum zu realisieren, nutzen.


Eckhard Sudmeyer, Leiter der Abteilung Betriebsberatung bei der Handwerkskammer Braun­schweig

, hat ebenfalls an der Informationsfahrt teilgenommen. Wir befragten ihn zu seinen Eindrcken:

Frage: Ist das Handwerk bei solchen Projekten berhaupt gefragt?
Eckhard Sudmeyer: Das gesamte Thema Energie ist fr das Handwerk interessant. Das Handwerk hat immer eine Schlsselrolle, wenn es um den Einsatz neuer Techniken geht. Solche Entwicklungen verfolgen wir daher aufmerksam.

Frage: Sind mit dem Energiesparen und dem Einsatz regenerativer Energien auch zustzliche Auftrge ver­bunden?
Eckhard Sudmeyer: Es gibt hier ein Missverhltnis. Sehr viele bauliche und technische Manahmen wrden sich aufgrund der Energieeinsparung lngst rechnen, werden aber dennoch nicht realisiert. Darin sehen wir eine groe Chance fr das Handwerk. Wir freuen uns daher, dass die Projekt Region Braunschweig GmbH dieses Thema anpackt und untersttzen das auch aktiv.

Frage: An wen wende ich mich denn, wenn ich nach Einsparmglichkeiten suche?

Eckhard Sudmeyer: Erste Ansprechpartner fr die Energieberatung sind die ausgebildeten Gebudeenergieberater im Handwerk. Darber hinaus knnen die Meisterbetriebe des Handwerks, insbesondere des Schornsteinfeger- und des Sanitr/Heizung/Klima-Handwerks, qualifiziert Auskunft erteilen.


Prof. Reinhard Leithner, Leiter des Instituts fr Wrme- und Brennstofftechnik an der TU und Vorsitzender des VDI-Bezirksvereins Braunschweig, begrt das Engagement der Projekt Region Braunschweig GmbH ebenso.

Frage: Kann die Forschungsregion von den neuen Trends im Energiebereich profitieren?
Prof. Reinhard Leithner: In der Region Braunschweig gibt es eine Flle wissenschaftlicher Einrichtungen, die sich mit dem Energiethema befassen: Mehrere Fachbereiche an der TU, der Fachbereich Versorgungstechnik an der FH Braunschweig/Wolfenbttel, die FAL, das WKI, das CUTEC-Institut. Es gibt kaum ein Thema in dem Bereich, zu dem sie in der Region keine Fachkompetenz fnden. Eine andere Frage ist, in­wieweit die Forschungsergebnisse auch zu einem Angebot neuer Produkte und Dienstleistungen aus der Region fhren. Da ist sicher noch mehr mglich.

Frage: Spielt das Thema auch in den Studiengngen eine Rolle?
Prof. Reinhard Leithner:
Aufgaben der Universitten und FH ist natrlich auch die Lehre und nichts beflgelt die Lehre mehr als praktische Beispiele und Arbeitspltze vor Ort. Auf dem Energiesektor sind in der Region Ingeni­eurbros und Unternehmen mit mehreren hundert Arbeitspltzen ttig, die teilweise von Absolventen gegrndet wurden und natrlich auch viele Absolventen beschftigen. Es knnen aber noch mehr werden.

Frage: In welchem Bereich sehen Sie diese Mglichkeiten?
Prof. Reinhard Leithner:
Es msste darum gehen, nicht nur die Nutzung der regenerativer Energien in der Region voran zu bringen, sondern auch die Produktion der Anlagentechnik. Da liegt ein zustzlich, vielleicht sogar greres Arbeitsplatzpotential. Deswegen muss die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Un­ternehmen weiter verbessert werden. Das Projekt Nawaro, Energie & Markt der Projekt Region Braunschweig ist ein guter Ansatz und wird zu Recht von den Forschungseinrichtungen und Unter­nehmen aus der Region untersttzt.

 

 

 

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